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BILD-Vorschlag der Woche (4.3.10) PDF Drucken E-Mail
„Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen … und die Akropolis gleich mit!“
Internationale Hedgefonds nutzen Griechenlands Probleme mit seinen Staatsfinanzen dazu, eine Spekulation gegen den Euro loszutreten. Die Politiker aus den Chefstaaten von Euroland fürchten um die Stabilität ihrer Gemeinschaftswährung und ihre Kreditwürdigkeit als Staaten. BILD-Redakteure liefern dazu die Begleitmusik fürs nationalistische Gemüt. Ihnen geht angesichts der Finanzprobleme des griechischen Staats und der Erpressung zum knallharten Sparkurs, der er seitens der mächtigen Euro-Hüter ausgesetzt ist, das Herz über und der Gaul durch: „Wenn wir den Griechen doch noch mit Milliarden Euro aushelfen müssen, sollten sie dafür auch etwas hergeben – z. B. ein paar ihrer wunderschönen Ägäis-Inseln. Motto: Ihr kriegt Kohle. Wir kriegen Korfu.“
Auch im Namen ihrer Leser, die sie als Mit-Gewinner dieser eingebildeten imperialistischen Tauschaktion anspricht, fordert BILD, dass die Inseln nicht nur faktisch für „uns“, die guten deutschen Urlauber mit unseren all-inclusive-Bedürfnissen da zu sein haben, sondern buchstäblich an „uns“, das ist die starke Nation Deutschland mit ihren überlegenen ökonomischen und politischen Ressourcen, abgetreten oder verhökert werden müssen. Für weniger, verlangt BILD, sollte unsere Kanzlerin, die den obersten Griechen Papandreou nach Berlin vorgeladen hat, „unsere“ Milliarden nicht rausrücken.
Wir lernen also: Der brutale Pfändungsgedanke gegenüber einem bankrotten EU-Mitglied ist allen geläufig – und zwar so geläufig, dass er von allen Akteuren, Merkel bis Juncker, derzeit vehement dementiert wird. BILD nimmt dafür den Gerichtsvollzieher vorweg und übersetzt den imperialistischen Anspruch auf ein funktionierendes Griechenland in volkstümliche Bilder. Korfu? Wäre doch nicht schlecht. Ob das am Not leidenden Kredit dieses Landes oder den Sorgen der EU-Mächtigen über ihren Euro irgend etwas ändern würde, spielt in solchen üblen Phantastereien keine Rolle.
 
Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts bekräftigt Bagatellkündigungen PDF Drucken E-Mail
Achtung vor dem Eigentum – auch eine Anstandsfrage!
Gegen Ende des Jahres 2009 häufen sich fristlose Kündigungen zum Teil langjährig Beschäftigter wegen der Entwendung oder Unterschlagung von Getränkebons im dreistelligen Cent-Bereich, von für den Abfall bestimmter Maultaschen oder einzelner Frikadellen. Dem daraufhin sich erhebenden öffentlichen Volksgemurmel über Fragen der Gerechtigkeit im Allgemeinen sowie - im Besonderen – über die angemessene Behandlung treuherziger Arbeitnehmer einerseits und ruchloser Bonusempfänger des Finanzgewerbes seitens der deutschen Rechtspflege andererseits tritt die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichtes zum Jahreswechsel mit klaren Worten entgegen.
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Die Steuer- CD kaufen oder nicht kaufen? PDF Drucken E-Mail
Vom moralischen und imperialistischen Nutzen eines grenzüberschreitenden Steuerdatenklaus
Das Gros der Menschheit erlebt seinen „Steuerabzug an der Quelle“, bekommt also das vom Staat beanspruchte Geld nie in die Finger. Eine Minderheit von Besserverdienern genießt die Freiheit, dem Staat die Steuer „zu erklären“. Das beschäftigt Steueranwälte, die ihre betuchte Klientel legal arm rechnen, oder beschert Steueroasen wie Liechtenstein oder Schweiz das Geschäftsmodell „Schwarzgeld“. Kommt dann noch ein Gemobbter, der Rache will, oder ein Geschäftstüchtiger, der bloß aufs Geld aus ist, an die Bankdaten der Steuersünder heran – dann ist die entsprechende CD ein hochinteressantes Angebot für den betrogenen Staat und ein paar Millionen wert. Da ihr Besitz ihm dreistellige Millionenbeträge einzuspielen verspricht, rechnet der Fiskus mit einer hohen Rendite seiner Investition.
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Afghanistankonferenz in London: PDF Drucken E-Mail
Wie vor dem Ausstieg aus dem Krieg noch der Sieg eingefahren werden soll
In London hat im Januar die x-te Afghanistankonferenz stattgefunden, die wieder mal über das Schicksal dieses Landes entscheiden sollte. Vertreter aus ca. 60 Nationen berieten darüber, wie die missliche Lage der von den USA angeführten ISAF-Streitkräfte in ihrem Kampf gegen Aufständische zum Besseren gewendet werden könnte: Mehr Militär, mehr Ausbildung von afghanischen Soldaten und Polizisten, auch mehr Wirtschaftsförderung und Aufbauhilfe und ein Ausstiegsprogramm für „gemäßigte“ Taliban. Nur so könne man die Lage stabilisieren und den Boden schaffen für eine längerfristige Selbstregierung des Landes durch prowestliche Kräfte, also für den Abzug der eigenen Interventionsmannschaften.
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Kulturhauptstadt Ruhr 2010: PDF Drucken E-Mail
Ein Gesamtkunstwerk eigener Art
Nach der Schicht essen die Kumpel „anner Bude“ eine Currywurst, sind stolz auf ihr Tagwerk, ihre Heimat und auf ihr eigenes anspruchslos-kerniges Naturell. Dazu stoßen sie mit einem heimischen Pils an. Dieses prolet-romantische Sittenbild im Widerschein von Hochöfen und Kokereiabstichen hat Herbert Grönemeyer schon vor 28 Jahren besungen. Im Jahr 2010, die meisten Hochöfen sind längst aus und die Zechen stillgelegt, ist das Ruhrgebiet gemeinsam mit Istanbul und Pécs (Ungarn) zu einer der europäischen Kulturhauptstädte ernannt worden. Ansehnlicher geworden ist es seit dem Lied von damals jedenfalls nicht, eher noch mehr herunter gekommen. Der zur offiziellen Ruhr-Hymne gekürte aktuelle Nachfolgesong vom gleichen Sänger drückt den gleichen Gedanken aus wie der alte, ist nur noch schlechter.
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Zitat der Woche

Volksbildung (I)
„Wer dem Volk den anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“ (Guido Westerwelle, bekanntlich weder Links-noch Rechts-, sondern Leistungsträger)
Der schlaue Guido weiß also, warum Rom untergegangen ist – auch wenn er sich den Umstand, dass sich die zitierte Dekadenz eher in der high society  des alten Rom abgespielt hat, ein bisschen so hindreht, wie es ihm in den Kram passt. Ein ähnliches Schicksal will er seinem Deutschland, mit dem er anscheinend noch einiges vorhat, jedenfalls ersparen. Dafür soll eine General-Inventur des Sozialstaats her – mit klarem Ziel: Leistungen weg! All das natürlich im Namen der „ehrlich Arbeitenden“, in wessen sonst? Für die lohnt sich nämlich ihre beschissen bezahlte Arbeit einfach dadurch, dass andere noch ein Stück ärmer gemacht werden ...

Volksbildung (II)
„Sozial ist das Gegenteil von Sozialismus.“ (Horst Seehofer)
Da schau her – das haben wir doch immer irgendwie geahnt! Aber danke noch mal für die Bestätigung, Horst: Die „kleinen Leute“ in Stand setzen, immer schön und brav ihre Arbeit zu tun (oder auch mal ihre Arbeitslosigkeit auszuhalten) ist das Gegenteil von ... wie hieß das gleich noch mal?
 

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Die Zukunftsfähigkeit von Opel ist nicht die Zukunft der Opel-Arbeiter

„Viele haben ihr Arbeitsleben über Generationen dieser Fabrik gewidmet und haben hervorragende Arbeit geleistet, um Autos in bester Qualität zu produzieren. Leider ist es die harte Realität des Geschäfts, die uns dazu bringt, dass wir eine Schließung des Werks in Betracht ziehen müssen.“
(aus: Persönliche Botschaft von Nick Reilly zur Schließung des Werks in Antwerpen)

So viel zu guter Arbeit, zu familiären Lebensplänen, zu Autos. Real ist nur das Geld. Alles zählt nichts, wenn es nicht zu seiner Vermehrung taugt.
Jedenfalls solange man diese „harte Realität“ gelten lässt.

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