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Welthunger zeigt sich hartnäckig Wie oft ist er eigentlich schon Thema gewesen in unseren Nachrichten, der Welthunger? UN-Gipfel, G-8-Gipfel, unzählige Entwicklungskonferenzen... Alle Staaten der Welt, unter ihnen auch die wirklich reichen und mächtigen, treten seit inzwischen Jahrzehnten (!) an zum „Kampf gegen das Hungerproblem“. Die Berichte darüber sind so gleich lautend, dass die Journalisten ziemlich problemlos ihre Textdateien vom letzten Mal ausschlachten können und die Nachrichtentanten den immergleichen Ton der Bestürzung auspacken: Hoppla, der Hunger ist immer noch nicht verschwunden aus dieser Welt; huch, die „ehrgeizigen“ Ziele der versammelten Staatengemeinschaft konnten bisher leider immer noch nicht erreicht werden; allerdings – Gottseidank! – kleine Fortschritte gibt es (nicht immer und überall, aber zum Beispiel bei einem Tomatenbauer im Senegal sieht es dieses Jahr besser aus); selbstverständlich reichen diese nicht aus, weshalb die Weltgemeinschaft auf alle Fälle unbeirrt daran festhalten muss, sich diesem Problem zu widmen. Bis in alle Ewigkeit, amen! Nachdenken über das, was ihnen die „öffentliche Meinung“ da als angesagte Sicht auf die Welt vorbuchstabiert, sollen die mündigen Bürger lieber nicht. Wäre ja auch zu blöd, wenn irgendjemand auf die Idee kommt und sich eventuell auch noch praktisch daran stößt, dass in der endgültig kapitalistisch durchorganisierten Welt das Verhungern von Millionen offensichtlich dazugehört. Würde auch der Reputation der Kanzlerin als verantwortungsvoller Politikerin gar nicht bekommen, wenn ihr jemand unter die Nase reiben würde, welch bodenloser Zynismus es eigentlich ist, die schlichte Ernährung der Menschheit im Jahr 2010 als „ehrgeiziges Ziel“ zu deklarieren. Und nicht zuletzt wäre es gar nicht gut, wenn den versammelten Weltpolitikern der wunderbare Gestus abhanden käme, sie seien stets hart am Ball mit der Bekämpfung dieses doofen Hungers, aber leider leider eben „noch“ nicht so weit gekommen, wie sie eigentlich wollten. PS: Dass die deutsche Kanzlerin ihre Rede dieses Mal mit einer Schelte der Entwicklungsländer verbunden hat, ändert am Schema nix, passt aber gut ins Bild: „Wir“, die reichen und mächtigen Nationen, die sich den Globus zu ihrem Nutzen eingerichtet haben, lassen uns in dieser Frage nicht ans Bein pinkeln. Schuld an den Zuständen sind wir mit all unserem Geld, unserem Einfluss und unserer Macht nämlich nicht – vielmehr fehlt es schlicht an „guter Regierung“ (seht uns an!) bei den Drittweltstaaten. Zuständig und verantwortlich sind „wir“ nur für die gute Seite, die Hilfe. Dafür können wir dann allerdings auch was verlangen. Gutes Benehmen auf alle Fälle. Und eine Stimme für Deutschlands Antrag auf zwei Jahre Sitz im Sicherheitsrat. P.P.S. Die Rede von Kanzlerin Merkel vor der UN-Versammlung „10 Jahre Milleniumsziele, wir haben noch 990 Jahre Zeit!“ im Wortlaut: „Meine Damen und Herren, liebe Negerinnen und Neger. Ja, ich gebe es unumwunden zu, wir werden die Milleniumsziele jetzt noch nicht ganz erreichen, der Welthunger wird nicht so schnell halbiert sein. Aber wir haben unser Bestes getan und werden immer unser Bestes geben. Hunger ist und bleibt eine unschöne Sache. Man kann nicht sagen, wer kein Brot hat, soll halt Kuchen essen. Das wäre ganz sicherlich zu einfach. Aber lassen Sie es mich ganz deutlich sagen: Die Hungerländer sind selbst am meisten schuld. Die Regierungen da unten müssen effizienter arbeiten, damit unsere Hilfe nicht versandet. Bevor dort keine gute Regierung einkehrt wie bei uns, wird das nicht. Wir müssen erstmal auf vernünftigen Strukturen bestehen, bevor wir Geld in ein leeres Fass schütten, verstehen Sie?! Bei Herrn Niebel können Sie sich einen 100 Punkte-Plan aushändigen lassen, dann sehen wir weiter. Und jetzt lassen Sie uns zu einer wichtigeren Frage kommen: Deutschland braucht den Sicherheitsrat und der Sicherheitsrat braucht Deutschland. Gewaltfragen lassen sich ohne unser Fingerspitzengefühl nicht lösen. Geben Sie Ihre Stimme der Vernunft, votieren Sie für uns!“ Lesetipps: –> UN-Gipfel zur Armut (siehe „immer noch aktuell“) –> Warum sind die Entwicklungsländer so arm? (siehe „immer noch aktuell“) |


