Opel - Stilfragen der höheren Art Drucken E-Mail

„Ein solcher Umgang mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern acht Wochen vor Weihnachten ist in keiner Weise hinnehmbar.“ Rainer Brüderle, Bundeswirtschaftsminister


Sonst schon?

Passt es nach Weihnachten? Oder vielleicht zum Karneval? Ach so, der Ton macht die Musik! Die deutschen Proleten haben sich schließlich ein Recht auf formvollendete Kündigungen zur rechten Zeit ehrlich erarbeitet und gewerkschaftlich abgesichert. Dass ein Haufen Entlassungen sein müssen zur Krisenbereinigung – das ist klar. Aber dann doch bitte mit Stil; zum richtigen Zeitpunkt (als ob es den gäbe!) und mit einem warmen Händedruck, und nicht – wie gerade bei Quelle – kalt und herzlos per Telefon.

Und warum beschwert sich eigentlich der neue Bundeswirtschaftsminister im Namen der deutschen „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“?

Weil er sich über die Blamage der Regierungs-Pläne mit Opel durch Eigentümer GM so sehr geärgert hat, dass er sich allen Ernstes zum Anwalt eines ungestörten Advents der so oder so Geschädigten macht. Auf der einen Seite ist die regierungsfreundliche Stimmung dort unten nicht unwichtig, und mit dieser billigen Tour leicht zu haben. Andererseits ist das forsche „nicht hinnehmbar“ aber an eine ganz andere Adresse gerichtet: an den amerikanischen Konkurrenten auf dem globalen Automarkt (und nicht nur dort).

Wie wir sie bisher kennen, sind die Opelaner vermutlich so drauf, sich über diese perfide Anteilnahme von oben sogar zu freuen. Und sich dann auch noch auf die Straße schicken zu lassen von den vielen, die sich rührend um ihr Schicksal sorgen – von ihren zutiefst beleidigten Betriebsräten über ihre antikapitalistischen Ministerpräsidenten bis hin zum streikbereiten Franz-Josef Wagner (BILD-Philosoph). Hauptsache, sie demonstrieren für nix anderes als für Stolz, Trotz und Anstand einer Manövriermasse, mit der man sowieso alles machen kann.