
| Frankreichs Finanzministerin kritisiert deutsche Wirtschaftserfolge |
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Wie Konkurrenz den Blick schärft In Deutschland zeichnen Politiker und Medienfritzen ein positives Bild von unserem Gemeinwesen. Deutschland ist in dieser Optik, die wir alle bitteschön übernehmen sollen, ein tüchtiges Land voller findiger und fleißiger Menschen, wo man die Ärmel schon mal hochkrempelt und sich auch bitteren Notwendigkeiten stellt. Entsprechend hat Deutschland aber auch berechtigte Erfolge zu verzeichnen, an denen die Bewohner irgendwie alle teilhaben und auf die sie stolz sein dürfen. Andere Nationen könnten sich da eine Scheibe abschneiden. Im Moment fällt allen Griechenland ein, morgen sitzen Spanien oder Irland auf der Anklagebank.
Mitten hinein in diese Propaganda platzt eine Botschaft aus Paris. Finanzministerin Lagarde, eine Frau des offenen Worts, geht auf „uns“ los. Deutschland habe die Misere in Griechenland selbst mit verursacht, unter der jetzt die Griechen und wegen der Kosten für die notwendige Hilfe auch andere Europäer leiden. Die griechischen Schulden seien nicht nur hausgemacht, sondern durchaus auch die Kehrseite notorischer einseitiger Exporterfolge der Deutschen. Diese Erfolge seien keineswegs Ausdruck einer besonderen Tüchtigkeit, sondern wesentlich auf Lohndumping zurückzuführen. In Deutschland würde eine aggressive Lohnpolitik betrieben, von Unternehmen und vom Staat, die nur auf Lohndrückerei und Lohnkostensenkung ausgerichtet sei, um andere Nationen bei den Produktionskosten an die Wand zu drücken. Dass Löhne auch steigen könnten, um die Konsumnachfrage im Land zu fördern und so auch Importe aus dem Ausland zu ermöglichen, werde in Deutschland verächtlich ignoriert. Deutschland wähne sich im Sachzwang der Lohndrückerei, treibe aber in Wahrheit die Globalisierungskonkurrenz mit solchen Methoden immer weiter voran und spalte damit Europa in Gewinner und Verlierer, gefährde die Einheit, auch unsere gemeinsame Währung… Die Frau ist als Patriotin, als Repräsentantin der französischen Nation und der französischen Lesart von Europa empört. Aus Frust über Ärgernisse, die die deutsche Konkurrenznation mit ihren Erfolgen und so manchen Wirkungen dieser Erfolge für ihre Nation zu verantworten hat, spricht sie Wahrheiten aus, von denen in Deutschland keiner reden und die auch keiner hören will. Dass in Europa kein Wettbewerb der Länder um den Lorbeerkranz größter Tüchtigkeit stattfindet (und am Ende Deutschland wie früher im Fußball gewinnt), sondern mit den Waffen kapitalistischer Konkurrenz um Märkte und Erlöse gekämpft wird bis hin zum Ruin des Konkurrenten, deckt sie auf. Dass die Tüchtigkeit deutscher Exporteure zu einem großen Teil mit der Rücksichtslosigkeit gegenüber den Arbeitern zu tun hat, die mit Arbeitslosigkeit bedroht und zur Hinnahme von Lohnverlusten erpresst werden, diesen Gegensatz von Nationalerfolg und Wohlergehen der arbeitenden Bevölkerung nennt sie beim Namen. Es ist eben so, dass beim Konkurrenten, hier Deutschland, genau die Lügen und Beschönigungen entlarvt werden, die man zu Hause selber pflegt. Konkurrenz schärft den Blick: aber nicht auf die von allen verfolgten Prinzipien, sondern auf den Konkurrenten, der einem gerade in die Quere kommt. Dort gelten dann genau die Geschäftsmethoden als ungerechtfertigtes und gemein, die man zu Hause selbstverständlich genau so einsetzt. |


