
| Hohe Krebsrate am Atommülllager Asse II: |
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Wissenschaftlich schwer interpretierbar! Das niedersächsische Sozialministerium meldet eine Häufung von Leukämie- und Schilddrüsenkrebsfällen rund um das Atommüll-Lager Asse. Der Zusammenhang zwischen ionisierender Strahlung und solchen Krankheitsfällen ist bekannt.
Also kann ein Verdacht nicht ausbleiben: „Macht Atommüll krank?“ (SZ, 27./28.11.2010). Die Ermittlungen, geführt unter Einsatz maßgeblicher wissenschaftlicher Experten, ergeben: Zwar „ist die Geschichte des Atommüll-Lagers Asse eine Geschichte der Lügen, Vertuschungen und Täuschungen“; in den als „Forschungsbergwerk“ deklarierten Salzstock wurden über 10 Jahre lang „fast alle angefallenen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle gekippt, was genau dort unten liegt (und in welchem Zustand), ist nicht vollständig erfasst.“ (SZ, 27./28.11.2010) Zwar wissen wir aus zuverlässiger Schweizer Quelle, dass zumindest russische Strahlung dem Organismus nicht gut tut und „die Uran-Wiederaufbereitungsanlagen Majak und Seversk die dort lebenden Menschen und die Umwelt belasten. Dass Umwelt und Bevölkerung unter den Anlagen leiden, ist unbestritten und auch eine von der Brennstab-Käuferin Axpo akzeptierte Tatsache.“ (NZZ Online, 19.11.2010) Aber das berechtigt uns nicht zu voreiligen Schlüssen über etwaige Zusammenhänge zwischen der strahlenden Asse und den gehäuften Krebsfällen: „Das kann kausal bedingt sein – aber auch ein statistisches Rauschen“ lässt der befragte Sachverstand verlauten und führt vor, wie man unter dem Schein wissenschaftlicher Gründlichkeit gründlich vom zu erklärenden manifesten Zusammenhang abstrahiert, indem man ihn in einen größeren Zusammenhang stellt. Krebsfälle gibt es schließlich überall, oder? Die lassen sich getrennt von ihren Ursachen prima erfassen, und schon hat man sauberes Zahlenmaterial, das nicht nur jedem Fleck in der Republik seine Krebsrate zuordnet, sondern, und darauf kommt es wissenschaftlich gesehen an, allerhand Vergleiche und Extrapolationen erlaubt: So kommen Forscher auf ein Ungetüm namens „erwartete (also theoretisch gesehen unauffällige) Krebsfälle“ – und von da wieder zurück zu den Krebsraten rund um die Asse. Denen können sie jetzt mit mathematischer Exaktheit eine gewisse Abweichung nach oben bescheinigen; ganz und gar nicht eindeutig ist aber, woher die wohl kommt. Da ist, aus der Optik der Statistik, vieles möglich, wenn der Tag lang ist, z. B.: „Ziehen kettenrauchende Arbeiter einer Asbestfabrik in die Gegend, könnte auch das die Zunahme von Krebs erklären.“ (SZ, ebd.) Schön zu sehen, dass in der Krebsursachenforschung wenigstens in Bezug auf das Rauchen Sicherheit herrscht; noch schöner das Versprechen der Wissenschaft, den Problemfall Asse bei Bedarf und besserer Datenlage – „die bisherige Datenlage ist ziemlich dünn, sagt Krebsexperte Ehninger“ (SZ, ebd.) – noch genauer aufzuklären. |


