Einsatz im außer Kontrolle geratenen AKW: PDF Drucken E-Mail
Was die Umstände erfordern
„Um weiterhin Arbeiten auf dem Gelände des AKW zu ermöglichen, wurde die zulässige Strahlenbelastung für die Belegschaft deutlich erhöht: Die Erhöhung des Grenzwerts von 100 auf 250 Millisievert pro Jahr sei `unter den Umständen unvermeidbar´, teilte das Ministerium für Arbeitsgesundheit mit.“ (tagesschau.de, 16.03)
Schon im Normalfalls sind Grenzwerte kein Ergebnis wissenschaftlicher Einsicht, sondern politischer Entscheidung: Sie definieren den Grad an Schädigung, der aus der Warte gesamtpolitischer Verantwortung für Land und Leute als tolerierbar gilt. In einem nationalen Katastrophenfall, wie der GAU in Fukushima es ist, wird das auf die Spitze getrieben. Als moderner Rechtsstaat ist man es sich offenbar schuldig, auch das Handeln der Rettungskräfte gesetzlich abzusichern. Also werden die Grenzwerte schlagartig erhöht – ansonsten würde es sich ja um eine unrechtmäßige Belastung handeln. Die verbliebene Restmannschaft am havarierten AKW Fukushima kann nach der Hochsetzung der Grenzwerte  (auch wenn die gemessen an der tatsächlichen Emission vor Ortimmer noch viel zu niedrig sind) getrost ihrem Job nachgehen und für die Politik und das mitbangende Volk wenigstens den Schein aufrechterhalten, man könne die Lage wieder in den Griff bekommen – durchaus eine rechtsstaatliche Spitzenleistung!
Eine andere gerade heiß diskutierte Frage ist die, ob man in einer Demokratie Leute verpflichten kann, sich für die Gemeinschaft zu opfern. Herr Höglund von Vattenfall hat in der Sendung „Hart, aber fair“ (16.3.) anklingen lassen, dass es die Sowjetunion zum Glück leichter gehabt habe mit der Zwangsverpflichtung zum Heldentod. Bisher kann man nicht feststellen, dass die Nation Japan wegen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung auf die Rechte jedes Einzelnen handlungsunfähig wäre in Sachen Havariebekämpfung. Letzteres liegt schon eher daran, dass beim Stand der Dinge nicht wirklich was zu machen ist, nicht am Personalmangel. Wenn demnächst auch in Fukushima die ganze strahlende Anlage zugeschüttet werden muss, erhalten sicher noch mehr japanische Bürger die Gelegenheit, sich für ihr Land auszuzeichnen. Und sei´s auf militärischen Befehl.