
| Atomunfall in Japan (2) |
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In Japan GAU, in Deutschland Hysterie
In Japan passiert ein Super-GAU mit den bereits bekannten und noch gar nicht absehbaren verheerenden Folgen für Land und Leute. Die deutsche Regierung stellt daraufhin ihre bisherige Energiepolitik, die die Atomenergie im nationalen Energiemix für die nächsten 40 Jahre nicht missen will (eine so genannte „Brückentechnologie“ also, die in regierungsamtlicher bundesrepublikanischer Sprachregelung auch noch als „umweltfreundlich“ und bis auf ein winziges Restrisiko als „sicher“ zu gelten hat), auf den Prüfstand. Am japanischen Atomunfall ist ihr aufgefallen, dass diese Technologie, die doch den deutschen Standort voranbringen sollte in seinem unbegrenzten Heißhunger nach Energie als Mittel für kapitalistisches Wachstum, tatsächlich einen unerwünschten „Neben“-Effekt haben kann, den sie sich bisher als statistisch völlig unwahrscheinlich kleingerechnet hat: Womöglich schadet der Einsatz dieser Technik dem Standort in einem Ausmaß, dass erhebliche Teile von Land und Leuten als brauchbare Ressource für Wachstum dauerhaft kaputtgemacht werden. Mal dahingestellt, welche Konsequenzen die Regierung, die ja nicht gerade zimperlich bei der Bemessung von zumutbaren Schadenswerten im Sinne der Brauchbarkeit für kapitalistisches Wachstum ist, aus ihrem Moratorium ziehen wird – ein Thomas Wels von der WAZ ist jedenfalls stinksauer: „Nirgendwo auf der Welt hat die Katastrophe derlei Hysterie ausgelöst wie bei uns. Die CDU löst einen Werte-Kern nach dem anderen auf, die FDP bringt sich gleich selbst um. Panik-Politik pur… Was heißt es, wenn plötzlich die FDP in einer Hundertachtziggradwende ein aus ihrer Sicht bisher kalkulierbares Risiko binnen Tagesfrist als nicht mehr tragbar empfindet? ... Das Blankziehen, ohne Diskussion, ohne Rechtsgrundlage frei nach dem Notstandsmotto ‚Huch, da ist ein Restrisiko’, wird die Republik verändern.“ (WAZ vom 30.3.) Hysterie „bei uns“, damit meint ein abgebrühter Zeitungsschreiber wie Thomas Wels natürlich nicht die Angst der kleinen Leute vor der Atomkraft. „Bei uns“, das ist natürlich bei den maßgeblichen Instanzen, also mitten in der Regierungskoalition, und da will er gar keine staatliche Kalkulation nationaler Energiepolitik mehr entdecken können, sondern bloß noch blanke Hysterie. Die Regierung ist, statt von japanischen und anderen Katastrophen unbeirrt auf bewährtem Atomkurs zu bleiben, zu einem „amtierenden Hühnerhaufen“ verkommen, der vor jedem bisschen Restrisiko wie eine hysterische Jungfrau vor der Maus zurückschreckt und der „gesellschaftlichen Stimmung die Hoheit überlässt“ – da muss ein tapferer Maulheld wie Thomas Wels die Regierung mal daran erinnern, dass Demokratie eine Form von Herrschaft ist, also Führung angesagt ist. Sonst geht nämlich „bei uns“ alles den Bach runter: „Der Trend heißt Biedermeier-Idyll, das Risiko Wohlstandsverlust.“ Angesichts dieses Risikos muss ja wohl jedes Restrisiko zumutbar sein. Also weiter so, Deutschland! |


