kultur & sport
Nach der WM ist vor der neuen Bundesliga-Saison PDF Drucken E-Mail
Der Fußballfan ...
... ist nicht einfach ein leidenschaftlicher Anhänger einer Sportart. Wäre er das, so würde er das Gekicke aus Interesse an tollen Kombinationen, Dribblings und Torschüssen betrachten.
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Fußball-Fieber PDF Drucken E-Mail
Wenn Nationen Tore schießen...
Wenn Podolski, Kaka oder Ronaldo ein Tor schießen, steigt weder das Bruttoinlandsprodukt noch der außenpolitische Einfluss des Landes. Belanglos sind die Ergebnisse der Nationalkicker deswegen noch lange nicht. Während der WM herrscht Ausnahmezustand: Wildfremde Menschen, die sich sonst eher misstrauisch begegnen, liegen sich beim Public Viewing betrunken in den Armen; Fabrikbesitzer, die normalerweise um jede Sekunde Arbeitszeit feilschen, halten die Fließbänder an, damit ihre Arbeiter den Nationalhelden die Daumen drücken können; Lehrer, die ansonsten jede Fehlstunde penibel ins Klassenbuch eintragen, schicken die Schüler auch schon mal nach Hause; die Herrschenden unterbrechen beim G20-Gipfel pünktlich zum Spiel ihre Sitzung und die Sprecher von Tagesschau und „heute“ widmen ohne Weiteres die Hälfte ihrer Sendeminuten Berichten über die Taten der deutschen Mannschaft.
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Kulturhauptstadt Ruhr 2010: PDF Drucken E-Mail
Ein Gesamtkunstwerk eigener Art
Nach der Schicht essen die Kumpel „anner Bude“ eine Currywurst, sind stolz auf ihr Tagwerk, ihre Heimat und auf ihr eigenes anspruchslos-kerniges Naturell. Dazu stoßen sie mit einem heimischen Pils an. Dieses prolet-romantische Sittenbild im Widerschein von Hochöfen und Kokereiabstichen hat Herbert Grönemeyer schon vor 28 Jahren besungen. Im Jahr 2010, die meisten Hochöfen sind längst aus und die Zechen stillgelegt, ist das Ruhrgebiet gemeinsam mit Istanbul und Pécs (Ungarn) zu einer der europäischen Kulturhauptstädte ernannt worden. Ansehnlicher geworden ist es seit dem Lied von damals jedenfalls nicht, eher noch mehr herunter gekommen. Der zur offiziellen Ruhr-Hymne gekürte aktuelle Nachfolgesong vom gleichen Sänger drückt den gleichen Gedanken aus wie der alte, ist nur noch schlechter.
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Ausnahmsweise Einigkeit

Die kleinen Leute monieren mal wieder: „Mit uns kann man’s ja machen.“ Wir meinen: Genau!

 

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Verurteilung des bösen Manns = Freispruch fürs System
Die Liebhaber der kapitalistischen Gesellschaftsordnung halten gerne alle Errungenschaften der Zivilisation, alle technischen Erfindungen und überhaupt alle Schönheiten des Lebens vom Milchkaffee über das Düsenflugzeug bis hin zur Solarzelle dem Kapitalismus zugute. Wenig Zusammenhang können sie zwischen ihrer geliebten Wirtschaftsweise der privaten Bereicherung in Konkurrenz und auf Kosten anderer und deren unschönen Resultaten erkennen: Ein ums andere mal ist irgendein Schurke (manchmal auch mehrere) schuld, wenn es mal wieder kracht.
Die Suche nach und Verurteilung von Schuldigen für Arbeitslosigkeit, Armut, Krieg und Krise kommt einem Dauerfreispruch des kapitalistischen Systems und seines Staates gleich.

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Eine Frage der Bildung

Manche Menschen, die in Sozialkunde nicht genug aufgepasst haben, fragen sich in Zeiten allgemeiner Rezession, wer denn nun die ganzen Unsummen über Nacht vernichtet hat. Gebildetere wissen natürlich, dass es die unsichtbare Hand des Marktes war.

 

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Zur Beruhigung

Der Markt kann nicht nicht regulieren.

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Wertpapiere

Wer bei dem Wort allein nicht misstrauisch wird, der soll sich jetzt auch nicht beschweren!  

 

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Verhältnisse und Verhältnismäßigkeit

Unter diesen Verhältnissen kann es als sicher gelten, dass der Diebstahl von 250 Euro aus der Tasche eines kleinen Mannes diesen mehr erregt als sein nächster Tarifvertrag. 

 

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Konsumentenverantwortung
In Zeiten der guten Konjunktur wird die Verantwortung für die ökologischen Folgen des kapitalistischen Wachstums von den Herrschenden gerne der Konsumwut jedes Einzelnen in die Schuhe geschoben – mit jedem Schluck Cola stirbt ein Schimpanse. Die einzig denkbare und angeblich wünschenswerte Lösung liegt im freiwilligen Konsumverzicht. Nun fordern die gleichen Ideologen ihr Volk in der Krise zum massenhaften Autokauf auf!
Die Konsumentenverantwortung ist also noch viel größer als bisher angenommen: In Zeiten der guten Konjunktur geht die Gesundheits- und Umweltbelastung kapitalistischer Warenproduktion natürlich ebenso auf ihr Konto wie verseuchte Lebensmittel und ruinöse Arbeitsbedingungen. In Zeiten der Krise kommt auf die Konsumenten außerdem noch die heikle Aufgabe zu, mit ihrem nicht mehr vorhandenen Einkommen dafür zu sorgen, dass es wieder weiter gehen kann mit dem maßlosen Wachstum, dass natürlich nur ihretwegen stattfindet.

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Wissenschaft und Erkenntnis
Seit Krise ist und die Staaten mit Milliarden intervenieren, steht eine wissenschaftliche Theorie heftig unter Beschuss. Angeblich ist ihre Zeit sogar schon abgelaufen. Der Neoliberalismus hat abgedankt und die Tragfähigkeit des Keynesschen Wirtschaftskonzepts gewinnt an Zuspruch. An den Universitäten ist Umdenken angesagt. So geht also Theoriebildung in einem System, dass sich gerne von staatlich bezahlten Philosophen „Wissensgesellschaft“ nennen lässt. Argumente, wissenschaftliche Auseinandersetzung? Papperlapapp – was über die Güte einer Theorie entscheidet, ist schlicht das: Wie sie zur Realität passt und ihrer „Zeit gemäß“ ist.
Und auch für den Fall, dass es keiner versteht: So ungefähr war auch der Spruch gemeint, dass das Sein der Bürger offenbar ihr Bewusstsein bestimmt.

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Gedankenspiel
Nur für den Fall, die aktuelle Krise würde sich im nächsten Jahr noch so richtig ausbreiten und die ganze so genannte „Realwirtschaft“ erfassen. Nur für den Fall, dass die Besitzenden einfach nichts mehr mit ihren Produktionsmitteln, Arbeitskräften, Mietskasernen, Grund und Boden anzufangen wüssten, weil beim besten Willen kein Geld mehr damit zu verdienen ist. Sollten wir dann alle weinen, vor den stillstehenden Fabriken und den leeren Häusern hocken und auf die Rettung durch irgendwelche Staatsführer hoffen? Oder wäre es doch denkbar, dass diese Dinge auch ohne die Bereicherung ihrer Eigentümer nützlich sind?

 

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Hoffnung und Erlösung

Von Hoffnung und Vertrauen ist in diesen Tagen viel die Rede. Gehofft wird, dass die Krise doch nicht so schlimm werde und bald vorüber gehe, dass den Mächtigen doch ein geeignetes Gegenmittel einfallen möge, dass mit einem neuen Präsidenten in Amerika alles besser werde, dass es hoffentlich nicht noch zu einem großen Krieg kommt (hatten wir ja schließlich alles schon, machen wir uns gar nix drüber vor, ist schlimm, weiß jeder), dass die unvermeidlichen Pleiten hoffentlich andere Länder und Betriebe, die unvermeidlichen Entlassungen hoffentlich andere Kollegen, die bevorstehenden Banken-Crashs bitte nicht das eigene Vermögen vernichten mögen und so weiter und so fort. Es wird immer weiter gehofft. Darf man aus so viel Hoffnung vielleicht den Schluss ziehen, dass die normalsterblichen aber selbstbewussten Mitglieder einer bürgerlichen Gesellschaft entgegen ihrer eigenen Einbildung NICHTS, aber auch GAR NICHTS im Griff haben? Darf man vielleicht auch einmal einen historischen Vergleich machen und die hoffnungsfrohen und aufgeklärten Zeitgenossen daran erinnern, dass ihre Verstandesleistungen ganz schön der frommen Unmündigkeit mittelalterlicher Untertanen ähneln, über die sie sich so erhaben fühlen? Und wäre es vermessen zu behaupten, dass ihr Verhältnis „zur Entwicklung auf den Märkten“ und den Zickzackkurven der Börsen, auf die sie ebenso erstaunt wie ehrfürchtig schauen, als wären sie vom Himmel gefallen, in Sachen Ohnmacht und Unterwerfungsbereitschaft einfach einzigartig ist? Kein Wunder also auch, dass die Krise der Kapitalakkumulation zur Konjunktur des guten alten Glaubens führt. Mit seiner Sorte Hoffnung und Erlösung ist er doch das zuverlässigere Opium, besonders seit wir Papst sind. Und schließlich halten die kritischen Realisten ein Leben nach dem Tod offenbar immer noch für wahrscheinlicher als die Idee einer geplanten Wirtschaft zum Nutzen aller.

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Unerbittlicher Frieden
Schon seit Jahrzehnten herrscht zwischen den Ländern des Westens erbitterter, pausenloser Frieden. Ohne den hätten sie den Krieg gegen das Böse auf der Welt nie gewonnen. Und auf diesen Frieden sind sie stolz. Manchmal so sehr, dass man den Eindruck bekommt, dass sie ihn nicht mehr lange durchhalten.

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Völkerverständigung
Immer wieder ist zu bestaunen, wie die Völkerverständigung auf Konferenzen und Spitzengipfeln Fortschritte macht, ohne dass die Völker auch nur ein einziges Wörtchen sagen müssten. Noch staunenswerter ist vielleicht nur noch, wenn Politiker angestrengt und nächtelang um den Frieden ringen, den sie alle so dringend wünschen, dann aber leider doch nicht sichern konnten, so dass am nächsten Tag die Bomben fliegen.

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Der richtige Zeitpunkt
In der Krise müssen die Lohnabschlüsse niedrig sein, damit die Unternehmen nicht pleite gehen. Im Aufschwung müssen sie niedrig sein, damit sie die Konjunktur nicht abwürgen. Für billige Lohnarbeit ist im Kapitalismus einfach immer der richtige Zeitpunkt, natürlich nur, um den fleißigen Arbeitsleuten auch weiterhin eine solch famose Lebensgrundlage zu ermöglichen. Das ist gewissermaßen ein Sachzwang, der nicht wirklich etwas mit dem Interesse an rentabler Ausbeutung zu tun hat.

 

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Zeitgeist
Immer beliebter wird die Forderung, den wild gewordenen Kapitalismus durch die gute alte Marktwirtschaft zu ersetzen. Krisenzeiten sind eben auch im Geistesleben einer Nation turbulente Zeiten!

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Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen
Passend zur Krise warnt der Papst: „Wer das Haus seines eigenen Lebens nur auf sichtbare und materielle Dinge – wie Erfolg, Karriere und Geld – aufbaut, der baut auf Sand.“ Bei aller Kritik muss man ihm das eine lassen: Im Vergleich zum kapitalistischen Konjunkturverlauf sind unsichtbare immaterielle Dinge wie  die heilige Dreifaltigkeit, die unbefleckte Empfängnis oder das jüngste Gericht einfach ein superfestes, Jahrtausende altes Fundament, auf das man nicht nur Häuser des Lebens, sondern sicher noch viele Luftschlösser bauen könnte.