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Unternehmer geben einen aus
Selten sind Lohnverhandlungen so geräuschlos und mit so viel Wohlwollen der Medien über die Bühne gegangen wie in diesem Jahr. Selbst die Störung des Berufsverkehrs durch die Bahngewerkschaften wurde eher als ein technisches Problem behandelt. Und was in der Berichterstattung besonders hervorgehoben wird, weil es auch für erfahrene Journalisten ungewöhnlich erscheint: Deutsche Unternehmen zeigen jetzt mitten im Tariffrieden ihre arbeiterfreundliche Seite. Nicht nur vereinzelt hört man, dass sie Lohnerhöhungen vorziehen, Prämien zahlen und Boni ausschütten, ohne dass das von der Arbeitnehmerseite verlangt worden wäre. Was ist da los? Die Unternehmer Die Unternehmen begründen die von ihnen veranlassten Lohnaufbesserungen mit den blendenden Gewinnen, die sie in den letzten Quartalen eingefahren haben. Der Beitrag der Arbeitnehmer solle damit honoriert werden. Die Chefs nutzen und bekräftigen damit ihre Hoheit über den Lohn, ihre Freiheit in der Lohnfestlegung, die ihnen die Gewerkschaften und gerade auch die Betriebsräte in den letzten Jahren und nicht erst in der Krise eingeräumt haben. Mit langfristigen Tarifverträgen, mit Öffnungsklauseln für die Betriebe und mit deren Umsetzung in Betriebsvereinbarungen haben die Arbeitnehmervertretungen dafür gesorgt, dass die Arbeitgeber sich am Lohn bedienen können wie es für ihren Geschäftsgang nötig erscheint. So wurden gerade in der Krise Löhne gesenkt, Zulagen gestrichen, Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich gekappt und (mit Staatsbeihilfe) Kurzarbeit mit kräftigen Lohneinbußen angesetzt. Mag sein, dass einige Unternehmen auch daran denken, ihre „Attraktivität“ als Arbeitgeber wegen ihrer Konkurrenz um höher qualifizierte Arbeitskräfte herauszustreichen. Ein wenig dreht sich der Arbeitsmarkt in Teilsegmenten auch mal gegen sie. Viel bemerkenswerter aber ist der Umstand, wie sie die Abhängigkeit der Arbeiter und die Konkurrenz unter ihnen nutzen, indem sie sie anfachen. Der Lohn spendierende Unternehmer ist der gute Patron, der die Bereitschaft seiner Belegschaften zur Unterordnung honoriert und sonst nichts. Mögliche Forderungen der Arbeitervertreter weist er dadurch zurück, dass er im Namen der Belegschaft als Masse unorganisierter einzelner abhängig Beschäftigter tätig wird und ihr Lohninteresse, wie es ihm passt, von sich aus bedient. Unternehmen zeigen so, wie gut Arbeitnehmer fahren, wenn sie sich gar nicht erst organisiert als wie auch immer verantwortliche Gegenmacht aufbauen. Für die Freiheit, sich auch in Zukunft ganz nach Belieben am Lohn bedienen zu können, die am besten mit geschwächten und darüber noch verantwortlicher agierenden Gewerkschaften sicherzustellen ist, geben weitsichtige Unternehmer eben auch mal freiwillig etwas von ihren Gewinnen ab. Der Wirtschaftsminister ist mit seiner Aufforderung an die Betriebe, durch Lohnerhöhungen die Arbeitnehmer am Aufschwung teilhaben zu lassen, dagegen nicht auf Gegenliebe bei „der Wirtschaft“ getroffen. Dabei wissen die Unternehmer natürlich, welche Hilfestellungen ihnen der Staat in Sachen Eroberung der Lohnhoheit zuteil werden ließ. Er hat mit seinen Hartz-IV-Regelungen den Druck auf die Arbeitenden erhöht, sich auf jede Arbeit einzulassen und so einen Niedriglohnsektor als Angebot für seine Unternehmen etabliert. Mit der Verlängerung der Kurzarbeitsregelungen hat er die Unternehmen in der Krise unterstützt. So konnten diese auch bei geringerer Produktion und vermindertem Absatz Gewinne machen. Der staatliche Druck auf die Gewerkschaften, verantwortungsvolle Tarife auszuhandeln, wenn die nationale Wirtschaft leidet, war auch kein unwichtiger Beitrag zur Stärkung der Arbeitgeberposition. All das ändert aber nichts daran, dass Unternehmer allergisch reagieren, wenn ihre Freiheit in Frage steht. Sie wissen zwar, dass ein Brüderle mit seinem Gerede von fälligen Lohnerhöhungen nur ganz weitsichtig die Binnenkonjunktur ein wenig stärken, keineswegs ihre Wettbewerbsposition untergraben möchte. Aber Einmischungen in ihre Tarifhoheit weisen sie schon mal grundsätzlich zurück. Schließlich gebe es ja auch noch Betriebe, die nicht so gut verdienen... Der Lohn erweist sich so, jenseits des Geplänkels zwischen Wirtschaftsminister und Wirtschaft, in den richtigen Händen als eine sehr nützliche Einrichtung. Er ist ein prima Mittel zur Steigerung des Gewinns, zur Förderung des Wachstums der Volkswirtschaft und vielleicht auch ein Mittel zur Verstetigung der Konjunktur. Wer Lohn zum Leben braucht, hat in ihm kein Mittel, mit oder ohne Almosen. |


