Kann gar nicht oft genug gesagt werden PDF Drucken E-Mail
Warum Lohnsteigerungen nicht möglich sind
 „Selbst im Aufschwung steigen die Verdienste der Arbeitnehmer kaum – diesen Eindruck vermittelt die jüngste Meldung aus dem Statistischen Bundesamt. Zwar haben die Statistiker seltsam gerechnet, doch von der Tendenz her stimmt die Aussage. Die jahrelange Lohnzurückhaltung war schmerzhaft, doch hat sie geholfen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Auch deshalb ist Deutschland so überraschend gut durch die Rezession gekommen. Nun beginnen die Tariflöhne stärker zu steigen. Die jüngsten Abschlüsse für die Chemie und den Bau legen die Latte für andere Branchen hoch. Die Arbeitnehmer wollen am Aufschwung, der den Unternehmen Rekordgewinne und der Börse Kursrekorde beschert, angemessen beteiligt werden. Zugleich aber blickt die Europäische Zentralbank argwöhnisch auf die Lohnentwicklung. Je höher die Inflation klettert – aktuell auf 2,8 Prozent –, desto entschlossener muss sie einschreiten, um eine Lohn-Preis-Spirale schon im Ansatz zu stoppen. Verfestigt sich die Inflation, würden darunter alle leiden, gerade die Bezieher kleinerer Einkommen. Deshalb ist es richtig, den Spielraum für Lohnerhöhung auch im Aufschwung weiterhin maßvoll zu nutzen.“ (Plickert, FAZ 30.4.11)
Wirtschaftsexperten wie Herr Plickert von der FAZ warnen jahrein jahraus davor, dass Arbeitnehmer auf die abstruse Idee verfallen könnten, ihr Einkommen in Tarifauseinandersetzungen aufzubessern. Das geht nämlich nicht, weil es der Wirtschaft schadet, die in jeder Konjunkturphase niedrige Lohnkosten braucht, um erfolgreich zu sein. Und wenn Lohnerhöhungen der Wirtschaft schaden, von der sie als Lohnabhängige nun mal abhängen, dann schaden sie eben auch sich selbst. Dass sie sich mit höheren Löhnen mal ein bißchen was leisten können und ein wenig entschädigt werden für vorausgegangene Strapazen am Arbeitsplatz oder für steigende Lebensmittelpreise, zählt nichts, ist bloße Augenwischerei. Höhere Löhne schaden dem Arbeitgeber, könnten also den eigenen Arbeitsplatz gefährden. Höhere Löhne „zwingen“ Unternehmen zu Preissteigerungen und könnten dadurch wieder zunichte gemacht werden. Mit welchem „Argument“ auch immer – Wirtschaftsexperten wie Herr Plickert verstehen es, mittels ihrer „ökonomischen Vernunft“ nachzuweisen, dass Arbeiter zurückzustehen haben und vorsichtig sein sollten beim Versuch, am Erfolg ihrer Arbeitgeber „angemessen beteiligt“ zu werden. Auf ihre verschwiemelte Art sprechen sie damit aus, wie verrückt und gemein die Erfolgslogik der Marktwirtschaft ist, deren Vernünftigkeit sie predigen: Deren Reichtum beruht eben auf der produktiv gemachten Armut der Arbeitenden. Man sollte sie einfach beim Wort nehmen: In diesem System gibt es für Arbeiter nichts zu holen, in keiner Konjunkturphase. Dieses System muss also weg. Die Plickerts und ihre Tiraden wäre man dann auch los.