psychologie & ideologie
Stichwort: Konsumentenverantwortung PDF Drucken E-Mail
Als Verbraucher die Welt in Ordnung bringen?
Ob Klimawandel, Kinderarbeit in Entwicklungsländern oder Gammelfleisch: Als Verursacher aller Miseren der modernen Welt gilt gemeinhin der Mensch mit seiner „Geiz-ist-geil-Mentalität“. Dabei sollte und könnte in der Konsumgesellschaft von heute eigentlich jeder seinen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten: Wenn sich alle Verbraucher für Waren entscheiden würden, die unter ökologisch und ethisch einwandfreien Umständen hergestellt wurden, wären die Unternehmen im eigenen Interesse gezwungen, nach diesen Maßstäben zu wirtschaften. Heißt es.  
Nehmen wir uns diesen sagenhaften Konsumenten und seine fantastischen Möglichkeiten doch einmal genauer unter die Lupe.
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Umgang mit Kritik PDF Drucken E-Mail
Was man mit unerwünschter Kritik so alles machen kann: Sie umdeuten, verdrehen, vereinnahmen, ausgrenzen, überhören, ignorieren, totschweigen, für langweilig erklären, sich aufregen, die Kritik zerreden und in unüberschaubare Detaildiskussionen auflösen, den Kritiker denunzieren, bespitzeln, unterdrücken, ihn mundtot machen oder über ihn lachen, ihn wegen seiner persönlichen Lebensführung für befassungsunwürdig, unglaubwürdig oder menschenverachtend erklären, der Kritik vorwerfen, dass sie Gewalt und Unterdrückung beinhalte, sofern sie nicht von vornherein ihre praktische Folgenlosigkeit beteuert und von jedem Geltungsanspruch Abstand nimmt, die Kritik wegen ihrer Ohnmacht gegenüber dem Bestehenden als unrealistisch, weltfremd und irreführend verwerfen, der Kritik vorwerfen, dass sie nicht die Lösung aller Fragen ist, immer wieder nach der Alternative fragen, die Kritik verwerfen, weil sie zu Konsequenzen führt, die einfach nicht mit der bestehenden Ordnung vereinbar sind, die Kritik zurückweisen, weil ihr Vertreter und seine Organisation verboten sind.
Oder einfach mal darauf scheißen, was Frau Meier, der Papa, die eigenen Kinder, der Erzbischof und der Herr Professor dazu meinen; einfach mal einem Moment nicht danach fragen, wozu der vorgetragene Gedanke beim Gelderwerb, der Steuererklärung, der Ferienplanung oder bei der Verdauung nützlich ist; einfach mal riskieren, dass ein Gedanke am Ende mehr ist als die Bestätigung dessen, was man auch schon ohne ihn wusste und wollte und einfach mal darüber nachdenken und prüfen, ob es stimmt, was die Kritikaster da sagen und schreiben, ganz gleich, ob man sie nun bereits sympathisch findet oder nicht.
 
Enke-Feiern & Volkskrankheit Depression PDF Drucken E-Mail
Ein Volk in Trauerlaune

Robert Enke, Nationaltorwart für kurze Zeit, nach Auskunft vieler ein sehr netter Kerl, litt an Depressionen, die ihn in Schüben übermannten und letztlich seinen Selbstmord hervorriefen. Nach allgemeiner Auskunft ist der „Erfolgsdruck, unter dem er stand“, ein Hintergrund für diese tragische „Charakterveränderung“; er ist mit dem Erfolgsdruck, der insbesondere ausschloss, über seine Probleme je etwas an die Öffentlichkeit zu lassen, nicht mehr klar gekommen.

So weit, so schlecht.

Insoweit ist Enke einer von vielen Fällen, in denen ein Mitglied unserer Welt der freien Selbstverwirklichung die Schwierigkeiten beim Erfüllen irgendwelcher (auch seiner eigenen) Anforderungen gegen sich selbst kehrt; eben nur ein prominenter Fall. Ein paar Schlüsse auf unsere sog. „Leistungsgesellschaft“ und die Psycho-Logik des subjektiven Zurechtkommen-Wollens in ihr kann man da schon ziehen.

Was die Öffentlichkeitaus diesem Fall macht, ist etwas ganz anderes:

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Psycho-Sprachbilder PDF Drucken E-Mail

Psycho-Sprachbilder

Aus dem unbedingten Willen, mit der kapitalistischen Welt, ihrer Konkurrenz, ihren Interessensgegensätzen und Zwängen zurechtzukommen, verdoppelt sich das bürgerliche Individuum in den abstrakten Willen zum Erfolg und sein Werkzeug, der an diesem Maßstab notwendig defizitär ausfallenden eigenen real existierenden körperlichen und geistigen Existenz. Statt mit Kritik an und Widerstand gegen die prekären Lebensbedingungen im bei allen Kriegen und Krisen quicklebendigen Kapitalismus beschäftigen sich moderne Bürger am liebsten mit sich, stacheln sich erst an und versuchen dann, sich wieder zu entspannen. Sie bewirtschaften ihr Seelenleben, loben und kritisieren sich, begutachten sich als Mittel ihrer selbst und werden spätestens daran plemplem, egal, ob sie dabei funktional bleiben oder krank werden. Deshalb ein paar Fragen zu den Sprachdenkmälern der um sich selbst Kreisenden:

Ihr wollt
– die Seele baumeln lassen? Wer fesselt sie?
– euch auch mal was gönnen? Wer gönnt es euch nicht?
– Kraft tanken? Wer raubt sie?
– euch motivieren? Wozu?
– positiv denken? Was würde ohne diesen Vorsatz beim Denken herauskommen?
– euch sammeln und dann wieder zerstreuen? Aus wie viel Teilen besteht ihr eigentlich?
– mal ganz ihr selbst sein und zu euch kommen? Wer seid ihr sonst? Wo seid ihr sonst?
– in die Beziehung investieren? Könnt ihr dazu nicht einen Kredit aufnehmen?
– Träume ausleben? Was lebt ihr sonst?

 

Psychohilfe