Die anderen sind über Westerwelle empört – und geben dem Anliegen Recht
Die politischen Konkurrenten sind empört. „Westerwelle verliert in seiner Panik über den Umfrageabsturz den Verstand und Anstand“ (SPD-Kraft, SPD-Nachrichten 20.2.10). Heiner Geissler bezeichnet ihn als „Esel“ und auch die Kanzlerin distanziert sich mehrmals von ihrem Vize. Interessant allerdings, wie man Westerwelle ins Abseits stellt.
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Fester Bestandteil des gesunden Volksempfindens |
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Der Ruf nach Gerechtigkeit Die Menschheit hat sich mehrheitlich mit ziemlichen Widerwärtigkeiten herumzuschlagen – viel Arbeit, wenig Geld, schlechte Wohnungen, laute Straßen. Interessant ist, wie sie all das überhaupt zur Kenntnis nimmt und wie sie über all das nachdenkt. In unserer Gesellschaft, in der alles staatlich geregelt und verwaltet ist, jedem Interesse also irgendwo ein Recht zugrunde liegt, denken die Menschen am liebsten nach, indem sie alles in Gerechtigkeitsfragen verwandeln. Sie fragen etwa: Wieso kriege ich für meine Arbeit weniger Geld als der Typ neben mir? Wieso haben unsere Nachbarn die bessere Bude, obwohl sie gar kein Kind haben? Wieso also ist die Welt so ungerecht?
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BILD-Vorschlag der Woche (4.3.10) |
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„Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen … und die Akropolis gleich mit!“
Internationale Hedgefonds nutzen Griechenlands Probleme mit seinen Staatsfinanzen dazu, eine Spekulation gegen den Euro loszutreten. Die Politiker aus den Chefstaaten von Euroland fürchten um die Stabilität ihrer Gemeinschaftswährung und ihre Kreditwürdigkeit als Staaten. BILD-Redakteure liefern dazu die Begleitmusik fürs nationalistische Gemüt. Ihnen geht angesichts der Finanzprobleme des griechischen Staats und der Erpressung zum knallharten Sparkurs, der er seitens der mächtigen Euro-Hüter ausgesetzt ist, das Herz über und der Gaul durch: „Wenn wir den Griechen doch noch mit Milliarden Euro aushelfen müssen, sollten sie dafür auch etwas hergeben – z. B. ein paar ihrer wunderschönen Ägäis-Inseln. Motto: Ihr kriegt Kohle. Wir kriegen Korfu.“ Auch im Namen ihrer Leser, die sie als Mit-Gewinner dieser eingebildeten imperialistischen Tauschaktion anspricht, fordert BILD, dass die Inseln nicht nur faktisch für „uns“, die guten deutschen Urlauber mit unseren all-inclusive-Bedürfnissen da zu sein haben, sondern buchstäblich an „uns“, das ist die starke Nation Deutschland mit ihren überlegenen ökonomischen und politischen Ressourcen, abgetreten oder verhökert werden müssen. Für weniger, verlangt BILD, sollte unsere Kanzlerin, die den obersten Griechen Papandreou nach Berlin vorgeladen hat, „unsere“ Milliarden nicht rausrücken. Wir lernen also: Der brutale Pfändungsgedanke gegenüber einem bankrotten EU-Mitglied ist allen geläufig – und zwar so geläufig, dass er von allen Akteuren, Merkel bis Juncker, derzeit vehement dementiert wird. BILD nimmt dafür den Gerichtsvollzieher vorweg und übersetzt den imperialistischen Anspruch auf ein funktionierendes Griechenland in volkstümliche Bilder. Korfu? Wäre doch nicht schlecht. Ob das am Not leidenden Kredit dieses Landes oder den Sorgen der EU-Mächtigen über ihren Euro irgend etwas ändern würde, spielt in solchen üblen Phantastereien keine Rolle.
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Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts bekräftigt Bagatellkündigungen |
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Achtung vor dem Eigentum – auch eine Anstandsfrage! Gegen Ende des Jahres 2009 häufen sich fristlose Kündigungen zum Teil langjährig Beschäftigter wegen der Entwendung oder Unterschlagung von Getränkebons im dreistelligen Cent-Bereich, von für den Abfall bestimmter Maultaschen oder einzelner Frikadellen. Dem daraufhin sich erhebenden öffentlichen Volksgemurmel über Fragen der Gerechtigkeit im Allgemeinen sowie - im Besonderen – über die angemessene Behandlung treuherziger Arbeitnehmer einerseits und ruchloser Bonusempfänger des Finanzgewerbes seitens der deutschen Rechtspflege andererseits tritt die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichtes zum Jahreswechsel mit klaren Worten entgegen. |
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Die Steuer- CD kaufen oder nicht kaufen? |
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Vom moralischen und imperialistischen Nutzen eines grenzüberschreitenden Steuerdatenklaus Das Gros der Menschheit erlebt seinen „Steuerabzug an der Quelle“, bekommt also das vom Staat beanspruchte Geld nie in die Finger. Eine Minderheit von Besserverdienern genießt die Freiheit, dem Staat die Steuer „zu erklären“. Das beschäftigt Steueranwälte, die ihre betuchte Klientel legal arm rechnen, oder beschert Steueroasen wie Liechtenstein oder Schweiz das Geschäftsmodell „Schwarzgeld“. Kommt dann noch ein Gemobbter, der Rache will, oder ein Geschäftstüchtiger, der bloß aufs Geld aus ist, an die Bankdaten der Steuersünder heran – dann ist die entsprechende CD ein hochinteressantes Angebot für den betrogenen Staat und ein paar Millionen wert. Da ihr Besitz ihm dreistellige Millionenbeträge einzuspielen verspricht, rechnet der Fiskus mit einer hohen Rendite seiner Investition.
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